Spiel Form Künste. Zu einer Kunstgeschichte des Improvisierens

Buchpublikation Neuerscheinung

Hans Ulrich Reck, Spiel Form Künste. Zu einer Kunstgeschichte des Improvisierens, hg. v. Bernd Ternes (Philo/ Fine Arts, Reihe 'fundus', hg. v. Jan-Frederik Bandel, Band N° 197, Hamburg 2010), 380 Seiten, 16 Abb., gebunden mit Lesebändchen, € 18
ISBN 978-3-86572-661-2
 
Anerkennung bekommt heute als Künstler, wer musikalisch virtuos, bildnerisch hermetisch, fragmentarisch und unbeholfen, konzeptuell jedenfalls strikte fern aller Rezepte sich behaupten kann. Es scheint sich – als Versprechen eines unbedingt gegenakademischen Experimentierens – das Improvisatorische paradox zu einer neuen Doktrin des 'freien Kunstschaffens' verfestigt zu haben. Das Thema greift jedoch mittlerweile – als Symptom wie als Versprechen in panisch aktualisierten Krisenzeiten – weit über das Gebiet der Künste hinaus. In den Semantiken spätmoderner Gesellschaften hat sich mittlerweile die Auffassung  ausgebreitet, bestimmte Begriffe seien deshalb hoch zu bewerten, weil mit ihnen eine sogenannte Zukunftsoffenheit, gar -tauglichkeit verbunden sei: Allen voran Kreativität, Komplexitätssensitivität, emotionale Intelligenz, das Management von Nichtwissen – und nicht zuletzt (die Kunst der) Improvisation. Auf diesem Hintergrund entfaltet Hans Ulrich Reck in sieben kunst-, theorie- und gesellschaftshistorischen Rahmungen – u. a. zu Serge Brignoni, Gordon Matta-Clark, Henri Michaux, zum surrealistischen Film, zur Improvisation in Musik und Technik, zur europäischen Künstlerausbildung und zum Konzept des kreativen 'Disegno' – die sich verzweigenden Konfiguration der Improvisation und des Aleatorischen. Vermieden wird eine mythisch-begriffliche Kategorisierung ebenso wie eine instrumentell-begriffliche Indienst-Nahme des Improvisierens, der es einzig um eine Fortsetzung des Gewohnten mit anderen, ungewohnten Mitteln geht. Leitlinie: „Das Aleatorische ist nicht das Andere des Plans, sondern nur ein anderer Plan, Plan aber allemal und wie zuvor.“