CURRICULUM VITAE von HANS ULRICH RECK

Hans Ulrich Reck, geboren 1953 in Schönenwerd (Schweiz), aufgewachsen in Basel, verheiratet mit Christine Bruggmann, der Mutter einer gemeinsamen, mittlerweile erwachsenen Tochter, ist Philosoph, Kunstwissenschaftler und Publizist, hat an etlichen Ausstellungen mitgearbeitet und viele Symposien organisiert, veranstaltet und moderiert, einige davon mit dezidiert internationalem und forschungsinnovativem Zuschnitt. Er hat, weltweit, Vorträge gehalten, Workshops im In- und Ausland durchgeführt, Bücher verfasst und herausgegeben sowie Essais für Zeitungen, Zeitschriften, vorwiegend aber für in verschiedenen Verlagen erschienene Sammelbände geschrieben.

Hans Ulrich Reck studierte – u. a. bei Ernst Bloch, Walter Schulz, Otto F. Bollnow, Helmut Fahrenbach, Josef Simon, Konrad Hoffmann, Donat de Chapeaurouge, Klaus Schwager, Jürgen Paul, Hans Ott, Hans Mayer, Walter Jens und Wilfried Barner – Philosophie, Kunstgeschichte und neuere deutsche Literaturwissenschaft  an der Universität Tübingen (Abschluss mit dem Magister Artium 1976; Gesamtnote: 1) und Kommunikationsdesign – bei Bazon Brock – an der Bergischen Universität Wuppertal. Er wurde dort 1989 in Philosophie mit einer Arbeit über Ästhetiken in aktuellen Kulturtheorien promoviert (mit dem Gesamtprädikat summa cum laude) und habilitierte sich 1991 mit der venia legendi für 'Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft' auf Grundlage der Schrift 'Zugeschriebene Wirklichkeit. Alltagskultur, Design, Kunst, Film und Werbung im Brennpunkt von Medientheorie'.

Von 1976 an arbeitete er als Journalist und freier Autor/ Publizist, seit 1979 außerdem als Lehrer, 1987 erwarb er am Pädagogischen Institut/ Kantonalen Lehrerseminar Basel Stadt eine Lehrbefähigung in 'Kunstvermittlung/ Kunsterziehung' (gymnasiale Oberstufe). 1976 bis 1987 vielfältige Tätigkeit in der Erwachsenenbildung, u. a. an verschiedenen Volkshochschulen und Schulen für soziale Arbeit sowie, von 1977 bis 1984 als Berater der 'Stiftung Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung' in Zürich. 1979 Mitgründer, war er bis 1981 auch Leiter eines Kultur- und Veranstaltungszentrums in Basel, 1983 bis 1986 Redakteur des 'Bulletin des Schweizerischen Bühnenverbandes', das er neu konzipierte und drei Mal pro Jahr zur Veröffentlichung brachte. Im Auftrag der Direktion des Schweizerischen Bühnenverbandes verfasste er im Mai 1986 eine Expertise über die Bedeutung von Sponsoring, Theaterkritik, dramaturgischer Förderung im Rahmen neu konzipierter Kulturpolitik.

Aufgrund eines öffentlichen, anonymen Wettbewerbs wurde er 1983 zum Vorsitzenden des Arbeitsrates des Internationalen Design Zentrums (IDZ) in Berlin bestellt – eine Funktion, die er bis 1986 ausübte und die zu einer mit dem Direktor des IDZ François Burkhardt abgestimmten, reichhaltigen Veranstaltungstätigkeit führte. Darin und generell seit dieser Zeit vielfältige, anhaltende Zusammenarbeit mit Bazon Brock. Von 1982 bis 1995 war Hans Ulrich Reck Dozent für Kunstgeschichte, Architektur- und Designtheorie, Visuelle Kommunikation, Semiotik, Ästhetik und Medientheorie an der Höheren Schule für Gestaltung in Basel, von 1989 bis 1995 außerdem an der Höheren Schule für Gestaltung in Zürich. In Basel hielt er in diesen fünfzehn Jahren regelmäßig in Zyklen organisierte – allgemeinbildend relevantes Wissen breit vermittelnde – Überblicksvorlesungen über Europäische Kunstgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart sowie über Architekturgeschichte und Designtheorie. In Zürich führte er neben Theorie-Unterricht und Diplomprojekterarbeitungen und -realisierungen auch prägende Theorie-Gestaltungs-Projekte in Kooperation mit Aldo Walker und André V. Heiz durch.

Im Kontext der Lehre und gemäß der Auffassung von der Einheit der Künste und der unverzichtbaren Analyse der Kunst an den Originalen wurden – neben stetigen Übungen in Kunst- und anderen Museen an den Unterrichtsorten – seit 1985 zahlreiche kunst-, kultur-, stadt- und architekturgeschichtlich geführte Exkursionen/ Studienreisen zu Themen von der Renaissance bis zur Gegenwart durchgeführt u. a. nach/ durch Stuttgart/ Frankfurt (1989); Mönchengladbach/ Düsseldorf/ Köln (1992); Köln/ Bonn (2000); Wien (1987, 1989, 2005); Rom (1985, 1988, 2001); Burgund und Übergänge (1987: Dijon, Autun, Vézelay, Orléans, Chartres, Paris; 2007: Tournus, Chapaize, Autun, Vézelay, Fontenay, Beaune, Dijon); Paris (1987, 1991, 1998); Prag (1991); Moskau/ Leningrad  (1985); Istanbul (1989); Berlin (1997); Barcelona (2003); Como/ Padua/ Ferrara/ Sabionetta/ Mantua/ Ravenna/ Udine/ Palma Nova/ Venedig (1999); Palermo/ Cefalú/ Segesta/ Erice/ Mazara del Vallo/ Castelvetrano/ Selinunt/ Gibellina (2007); die Pyrenäen (mit Fokussierungen zu/ in: Perpignan/ Elne/ Céret/ Serrabone/ St. Michel-de-Cuxa/ St- Martin-du-Canigou, Collioure/ Port Bou/ San Pere de Roda/ Figueres/ Barcelona 2003); Flandern/ Brabant (Brügge/ Gent, Antwerpen/ Bruxelles 2004), Cordoba/ Granada (2010), Basel/ Niffer-Kembs/ Belfort/ Ronchamp/ Besançon/ Arc-et-Senans (2011), Nancy (2012), Lyon/ Firminy (2013).

Von 1986 bis 1996 erfolgte die periodisch intensive Zusammenarbeit mit Martin Heller für Ausstellungen, Kataloge, Symposien (Museum für Gestaltung Zürich). Die Projektmitarbeit am Museum für Gestaltung Zürich umfasste alle Nuancierungen von allgemeiner Planungsberatung, situativer Konzeptanalyse (z. Bsp. von 'Räume im besetzten Land', 'Sicherheit und Zusammenarbeit', 'Universal. Überall-Immer-Alles') punktueller Themen- und Projektberatung (z. Bsp. 'Anschläge. Plakatsprache in Zürich: 1978-88', 'Mehrwerte', 'Zeitreise. Bilder-Maschinen-Strategien-Rätsel') bis hin zur ausgreifenden Kooperation und Ko-Realisierung von Ausstellungen. Ohne Zweifel ragt in dieser Periode wegen der großen Resonanz die zwischen 1987 und 1990 auf der Basis langjähriger wissenschaftlicher Recherchen in Teams erarbeitete und realisierte Ausstellung mit dem Titel 'Imitationen. Nachahmung und Modell. Von der Lust am Falschen' heraus (Übernahmen in Hagen und Berlin). Als wichtige Koproduktion mit der Höheren Schule für Gestaltung ist außerdem zu nennen 'Euphorie und Elend. Berufsfeld visuelle Gestaltung' (April 1991-Juli 1992) und die 1996 ausgerichtete Tagung "'Ästhetik' nach der Aktualität des Ästhetischen. Ein Symposium zu Perspektiven der Kulturentwicklung aus Anlass des 60. Geburtstages von Bazon Brock" (konzipiert, organisiert und moderiert von Hans Ulrich Reck und Martin Heller, mit Vorträgen von Hans Ulrich Reck, Dietmar Kamper, Beat Wyss, Jean-Jacques Lebel, Bazon Brock, Michael Erlhoff, Hinderk M. Emrich, Dirk Baecker).

Von 1984 bis heute sind zu verzeichnen zahllose Vorträge (in deutsch, englisch, französisch), Symposien (als Veranstalter und Beitragender), workshops, Tagungen und weiteres zu den verzweigten Arbeitsgebieten (Philosophie, Ästhetik, Kunstgeschichte, Kunstwissenschaft und -theorie, Architektur und Design, Urbanistik. Semiotik) in vielen Städten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz sowie u. a. in Amsterdam, Bombay, Sâo Paulo, Chicago, New York, Rom, Paris, Venedig, Barcelona, Sydney.

Mit Alois Martin Müller und Jörg Huber konzipierte er die 1991 beginnende Vortragsreihe 'Interventionen' (als Buchreihe erschienen bis 1998 im Verlag Stroemfeld/ Roter Stern Basel/ Frankfurt). 1990/ 91 Konzeption und Herausgabe der Reihe 'Querschüsse' (Keyser Verlag München). 1992-1995 arbeitete er als Vorsteher der Lehrkanzel und Professor für Kommunikationstheorie an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. 1995 wurde Hans Ulrich Reck zum Professor für Kunstgeschichte im medialen Kontext an die Kunsthochschule für Medien Köln berufen. Im Rahmen seiner Arbeit an der KHM entwickelte er mit Siegfried Zielinski und Nils Röller das 'Jahrbuch für Künste und Apparate Lab' (1996-2006 in insgesamt sieben Bänden im Verlag der Buchhandlung Walther König Köln erschienen).
Als Expertentätigkeit und Kommissionsmitarbeit von 1993 bis 2002 sind zu nennen: Wettbewerbsjury für die Neugestaltung der österreichischen Bundestrophäe (1993); Expertenkommission (incl. Mitarbeit in der Jurierung von Wettbewerb/ Planung) der Schule für Gestaltung des Kantons Aargau CH (1990-1994); Mitarbeit in der Berufungskommission für die Erstberufung der künstlerischen Professuren des neu gegründeten Studienbereichs 'Neue Medien' an der Hochschule für Kunst und Gestaltung Zürich (1998); Mitgliedschaft in der Berufungskommission für die Bestellung der Departementsleitung 'cultural studies' an der Hochschule für Kunst und Gestaltung Zürich (2000) und als externes Mitglied in der Berufungskommission für die Bestellung der C4-Professur 'Medientheorien' an der Humboldt Universität zu Berlin (Philosophische Fakultät III; 2002). Hans Ulrich Reck war 2002 auch Mitglied der Expertenkommission 'Visuelle Komposition' für die Einrichtung eines neuen Studienganges an der Folkwang Hochschule Essen. Außerdem war Hans Ulrich Reck tätig an verschiedenen Abschluss- und Zwischenprüfungen der Hochschule der Künste Zürich (Master of Fine Arts/ Vertiefung Theorie 2012, Master in Transdisziplinären Studien 2013) und war er Mitglied des Arbeitskreises 'Ästhetik' des 'Institutes für Theorie' (ith) der ZHdK von 2010 bis 2012. Zudem wirkte er als Mitglied der Gutachterkommission/ Jury zur Ausschreibung 'Willkommen in der Wissenschaft' im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst (ernannt auf Vorschlag der Landesrektorenkonferenz der Kunsthochschulen BW, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst BW, Stuttgart Juli 2012).

Von 1988 bis 2006 wirkte Hans Ulrich Reck als beratender Mitherausgeber der Buchreihe 'Conference: German Literary Theory and Cultural Studies' (General Editor: Liliane Weissberg), Wayne State University Press Detroit, Michigan. Seit 1996 ist er Herausgeber der, 2006 'ausgelaufenen', Buchreihe 'Medienkultur', Springer Verlag, Wien/ New York. In dieser Reihe sind Bücher erschienen von Marie-Luise Angerer, Karlheinz Barck, Jörg Becker, Bernhard Dotzler, Elisabeth I. Eisenstein, Manfred Faßler, Tom Fecht, Ulrich Heide, Harold Adam Innis, Dietmar Kamper, Wolfgang Müller-Funk, Kathrin Peters, Hans Ulrich Reck, Zoë Sofoulis, Harald Szeemann, Georg Trogemann, Jochen Viehoff, Norbert Wiener.


Im Sommer und Herbst 1999 erarbeitete Hans Ulrich Reck zusammen mit dem Informatik-Kollegen der KHM, Prof. Dr. Georg Trogemann ein Modellversuch/ Forschungsprojekt im Auftrag der Bund-Länder-Kommission für die KHM und weitere Hochschulen. Initiierung, Co-Leitung und Realisierung dieses Modellversuchs im Rahmen des von der bundesrepublikanischen Bund-Länder-Kommission getragenen Mantelprojektes 'Kulturelle Bildung im Medienzeitalter' ('Kubim') wurde angelegt und durchgeführt als wissenschaftliche Grundlagenforschung (Leitung: Prof. Dr. Hans Ulrich Reck und Prof. Dr. Georg Trogemann, Mitarbeit: Dr. Stefan Römer, Schoenerwissen – Anne Pascual/ Marcus Hauer; Träger: Kunsthochschule für Medien Köln) unter dem Titel 'Informatik, künstlerische Praktik und Kunsttheorie der digitalen Bildtechnologien' (ab 2001 modifiziert unter dem Titel 'KIT - Kunst - Informatik - Theorie'). Die ausgreifenden Arbeiten daran erstreckten sich von Herbst 1999 bis zum Sommer 2003. Viel beachtete Buch- und Netzpublikationen gingen daraus hervor (Hans Ulrich Reck, Kunst als Medientheorie. Vom Zeichen zur Handlung, 2003; Georg Trogemann/ Jochen Viehoff, Code@Art. Eine elementare Einführung in die Programmierung als künstlerische Praktik, 2005; Code@Art wurde ebenfalls realisiert als Netz-Werkzeug; Hans Ulrich Reck mit Schoenerwissen/ OfCD, txtkit 1.0 Visual Text Mining Tool, CDR und Netz-Tool, 2004).

1999/ 2000 – auf Einladung von Michael Erlhoff – Mitkonzeption und Beratung für Ausstellung und Katalog  'Heute ist morgen. Über die Zukunft von Erfahrung und Konstruktion' (Kunst- und Ausstellungshalle der BRD, Bonn), wofür er auch einen das eigene Werk und Denken plastisch modellierenden Ausstellungs- und Katalogbeitrag erarbeitete. Von 1998 bis 2000 bildete er zusammen mit Hartmut Böhme, Christina von Braun, Martin Burckhardt, Wolfgang Coy und Friedrich Kittler die Programmkommission für die Ausrichtung der 'Interface 5', die unter dem Titel 'Politik der Maschine' im Auftrag der Hamburger Kulturbehörde – mit Symposien, workshops, Vorträgen und Ausstellung – im September und Oktober 2000 in Hamburg durchgeführt und später in einer umfangreichen Publikation dokumentiert und reflektiert worden ist.

Vom November 2002 bis April 2003 erarbeitete Hans Ulrich Reck im Auftrag des Rektorates der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich eine umfangreiche Expertise über die Rolle der Theoriefächer an Kunsthochschulen sowie Vorschläge für eine Reform der Theorieausbildung unter Berücksichtigung der speziellen Verhältnisse an der HGKZ (heute ZHdK) mit weiterführenden Materialien zur Geschichte der Künstlerausbildung, zu Wissenschafts- und Kunsttheorie und, komparatistisch, zum Stand an international vergleichbaren anderen Hochschulen.



Seit 2004 an der KHM Köln Aufbau eines Promotionsstudienganges. Seit 1992 Betreuung zahlreicher Dissertationen in Kooperation mit verschiedenen Universitäten (v. a. Wuppertal, Berlin, Gießen) sowie Abnahme von Habilitationen (vorrangig Universität Wuppertal).

Seit 1998 arbeitet Hans Ulrich Reck – neben den Tätigkeiten in Lehre, akademischer Administration und Vermittlung – an zwei Forschungssträngen. Der erste widmet sich der Frage, in welcher Weise die Problematik der Unterscheidung von Träumen/ Denken/ Vorstellen sowie die in oft undurchschaubar gelassenen Analogien sich artikulierenden Kunstformen des Traums und die Imaginationsformen der Vision mit den allgemeinen Phänomenen des Bildlichen zwischen Wahrnehmen und Vorstellen in Verbindung stehen. Dabei spielt die Hypothese eine bedeutende Rolle, dass Traum und Vision von den Darstellungen der Kunst und den Kunstformen des Imaginären in historischen Zäsuren beeinflusst werden. Dieses Vorhaben ist 2010 Buch von fast 800 großformatigen Seiten im Fink-Verlag München erschienen.

Der zweite Themenstrang beschäftigt sich in etlichen Schritten, Etappen und Veröffentlichungen mit dem internen theoretischen Gehalt der Künste und des Designs, besonders dieses Jahrhunderts, im Hinblick auf eine erst durch sie ermöglichte, von ihnen untrennbare Rhetorik der Formgebung. Die Beschäftigung mit avancierten Formen einer 'Kunst durch Medien' dient allerdings keineswegs einer Feier des Aktuellen, sondern im Gegenteil einer Schärfung der Rückbesinnung auf die Reichtümer der bisherigen Kunstgeschichte. In der 2003 erschienenen ausgreifenden Abhandlung 'Kunst als Medientheorie – Vom Zeichen zur Handlung' ebenso wie in der vorbereitenden Exposition dazu unter dem Titel 'Mythos Medienkunst' (2002) spielen beispielgebende Momente der bisherigen Künste und Kunstgeschichte aus evidenten qualitativen Gründen eine tragende Rolle, z. Bsp. die Geschichte der Portraitmalerei seit der Renaissance, die zwischen Sichtbarkeitskult und hermetischer Allegorie oszillierenden Referenzmodelle von 'nature morte' und holländischem Stilleben, die 'réalisations' von Paul Cézanne, Bildfunktionen aus der Geschichte des Realismusbegriffs. Die Publikation 'Singularität und Sittlichkeit. Die Kunst Aldo Walkers in bildrhetorischer und medienphilosophischer Perspektive' bildet mit den beiden eben genannten Büchern eine zwar nicht so gekennzeichnete, inhaltlich aber überaus klare Trilogie.

'Kunst als Medientheorie' und 'Traum. Enzyklopädie' (2010) sind in weiteren Schritten ergänzt worden durch in zwei Bänden publizierten Studien zu einer Epistemologie des Bildes aus der Sicht der Künste (beide 2007, s. u.). Die in letzter Zeit immer zahlreicher hervortretenden – und auch lauter werdenden – Bemühungen um eine kunstwissenschaftlich grundierte Bildtheorie können immer weniger verbergen, dass hierbei eine angemessene wissenschaftliche Aufarbeitung von neurologischen, psycho-epistemologischen und generell wahrnehmungspsychologischen Erkenntnissen erst noch zu leisten ist. Das Projekt einer auf die wesentlichen Bedenken der Kunstgeschichte zugeschnittenen Erörterung der Bildphänomene und -theorien, die deutlich und aktiv von der bisherigen Vermischung mit Ansprüchen universaler Bildtheorie oder einer auf visuelle Kultur generell und ununterschieden ausgreifenden universalen Kunstwissenschaft aller nur denkbaren Bildgebungen sich abgrenzen, bildet nicht nur für mich die wesentliche Forschungs-Herausforderung der nächsten Jahre.

In zwei umfangreichen Bänden hat Hans Ulrich Reck seine diesbezüglichen Überlegungen im Jahre 2007 der Öffentlichkeit präsentieren dürfen: 'Das Bild zeigt das Bild selber als Abwesendes.  Zu den Spannungen zwischen Kunst, Medien und visueller Kultur' verdichtet die Argumentationen in einem Geflecht von Texten, die auch als Sammlung einiger der aus seiner Sicht besten Abhandlungen nochmals durchgearbeitet worden sind für die 'Publikation letzter Hand'. Mediale Kunstgeschichte, Autorschaft, Rezeption, Authentizität, Bilder und visuelle Kommunikation im Techno-Imaginären spielen darin eine bedeutende Rolle. 'Eigensinn der Bilder. Bildtheorie oder Kunstphilosophie?' entfaltet eine Kritik am falschen hegemonialen Bilddeutungsanspruch seitens der Kunstgeschichte nach einem zunächst wichtigen, dann aber zunehmend in eine problematische Richtung gedrehten 'iconic turn'. Kognitionstheoretische und epistemologische Argumente erweitern im genannten Band das Feld über aktuelle Bildwissenschaftsdebatten hinaus und relativieren die bildtheoretische Debatte durch kunstphilosophische Argumentationen und Denkfiguren. Kernstücke der Veröffentlichung sind Erörterungen zum visuellen Sampling und ein Gespräch mit Bazon Brock, in dem dieser seine genuine, originäre Konzeption der aus Kunst hervorgegangenen Evidenzkritik, also Kritik des Visuellen durch die aus den europäischen Bildkünsten entwickelte Bildlichkeit skizziert.

Ein weiteres Werk hat 2007 publiziert werden können, das in 140 Kapiteln, über 580 Seiten und 820 Abbildungen alle Aspekte der Kreativitätsforschung, ihrer Beziehungen zu den Künsten sowie, neben den Etappen, Zäsuren, Methodologien der Designgeschichte und -theorie, vor allem die Konzeption einer Einheit der Künste in der entwerfenden Imagination des 'disegno' behandelt. Insbesondere werden das Verhältnis von Kunst und Kreativität untersucht und die europäische Kunstausbildung sowie deren hauptsächliche Konzepte und Praktiken in einen transkulturellen Kontext gestellt, also die Künste aus zivilisatorischer Perspektive anderer Historien und Geographien diskutiert. Afrika, Asien, Aborigine-Australien, auch die USA kommen – in nicht-linearer Komplexität unter Beigabe von Navigationsmitteln, Markierungen, Karten, Wegen, Verweisungen – zur Sprache.

Vervollständigt und fortgesetzt werden konnte die Reihe der gewichtigen Publikationen durch eine in zwei Bänden umgesetzte Kooperation mit Bazon Brock ('Utopie und Evidenzkritik'/ 'Tarnen und Täuschen', Philo/ Fine arts Verlag Hamburg, Reihe 'Fundus' 2010), die neben neuen Texten auch Re-Editionen von gemeinsamen wie individuellen Analysen aus 25 Jahren zu Kunst und Designtheorie darbietet. Ebenfalls 2010 erschien, wiederum als Frucht einer kontinuierlich wie diskontinuierlich über Jahrzehnte entwickelten Arbeit die als Einführung in das Gesamtwerk ausgerichtete Studie zu Pier Paolo Pasolini (Fink Verlag, Reihe 'directed by'). Zudem eine Kunstgeschichte der Improvisation als ein weiterer, auf Durcharbeitungen, Erweiterungen und Revisionen beruhender Essayband mit dem Titel 'Spiel Form Künste' (Philo/ Fine arts Verlag Hamburg, Reihe 'Fundus' 2010).

Zu guter letzt ist anzuzeigen ein 150 Minuten dauerndes, auf einer Doppel-Audio-CD – anstelle einer zunächst geplanten – Radiosendung dargebotenes Audioporträt des Poeten, Philosophen und Filmers Pier Paolo Pasolini (Edition Apollon Wusterhausen 2012).

Unter den aktuellen Projekten und Arbeiten ist für März 2013 die baldige Vollendung einer umfänglichen Abhandlung zum ästhetischen und museologischen Phänomen und Problem der schwarzafrikanischen Ritualkunst zu vermelden. Sie steht unter dem Titel 'Zwischen Kult und Museum – Dissonante Ästhetiken am Beispiel Schwarzafrikas' vor der Vollendung.

Und zuletzt, als 'tour de force', sei erwähnt, dass seit 2008 kontinuierlich die Arbeit an der Bereitstellung der archivalischen und forschungsstrategischen Grundlagen für eine neuartige Edition/ Redaktion digital vernetzter, diverser und heterogener Materialien verfolgt wird (Arbeitstitel: 'Konzeptualisierung einer Internet-Edition/ elektronisch basierten Gesamtedition: 'Schriften, Lectures – extended version. Verweise in Text, Bild, Ton''). Es geht dabei um ein avanciertes kommunikatives Vorhaben für das Internet und seine neuen, unter Auswertung der abendländisch-europäischen, aber auch der beispielgebenden Wissenstraditionen anderer Zivilisationen entschieden zu transformierenden Nutzungserwartungen. Das Vorhaben befasst sich beispielgebend mit einer veränderten und avancierten Nutzung/ Rezeption diskursiver Archivmaterialien und damit mit neuartigen Aneignungsverhalten bezüglich wissenschaftlicher wie intellektueller Ideen-Nutzungen.