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Park   2007 video, 04:12 Min.

"Die Videoarbeit “Park“ zeigt eine Clique von Jugendlichen, die sich in einem Stadtpark treffen. Aus geringer Distanz beobachtet Naujokaite über einen längeren Zeitraum die Gruppe mit der Videokamera. Sie dokumentiert die Reaktionen der Heranwachsenden auf die nicht weiter kommentierte Präsenz der Kamera. Zwischen Ignoranz des Filmens und spontaner Zurschaustellung der Heranwachsenden oszillieren die Reaktionen der Gruppenmitglieder, und es entsteht eine seltsame spannungsreiche Atmosphäre zwischen freundschaftlichem Umgang unter den Mitgliedern der Gruppe und einer unterschwelligen Aggression, die sich gegen einen kleinen Hund richtet.
Nach einer Weile wendet sich die Kamera ab und bewegt sich durch die idyllische menschenleere Landschaft des Parks langsam auf einen See zu. Die arkadische Stimmung wird jedoch jäh gestört: Aus dem Off ertönen unflätige Schimpfsalven der vormals genannten Jugendlichen.
Die beschriebene Situation ereignet sich in einem Park, einem ausgedehnten Garten. Diesen wiederum reiht Michel Foucault in seine Liste der Heterotopien, andere Orte, ein. Unter dem Begriff “Heterotopie“ versteht er tatsächlich realisierte Utopien, Orte der Fluktuation und Transgression, in denen temporär das möglich ist, was in der Realität nicht funktioniert: persönliche und gemeinschaftliche ideale Lebensentwürfe, die Verwirklichung und Erfüllung eigener Sehnsüchte, Wünsche und Ideale.
Neben dem Garten nennt Foucault auch Feriendörfer, Theater und Bordelle, aber auch Friedhöfe, Psychiatrien und Gefängnisse, sogenannte Krisenheterotopien, deren Funktion die Ordnung, die Wiederherstellung gesellschaftlichen Funktionierens ist.
Beide Aspekte der Heterotopien sind auf Naujokaites Videoarbeit anwendbar: Der Park wird als ein Raum gezeigt, der für die Jugendlichen Ungebundenheit an gesellschaftliche Zwängen und Normen bedeutet. Der öffentliche unbesetzte Park bietet ihnen ein soziales Experimentierfeld, das Ausprobieren individueller Lebensvorstellungen und –entwürfe. Soziale Hierarchien der Clique werden verhandelt und geordnet, was freilich nicht ohne Reibungen und Spannungen auskommt."

Rainer Hoffmann
www.kunstgeschichtler.de 


 
 
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